Vorwärts und nicht vergessen

Gleichmut ist „(…) eine gleichmäßig warmherzige und freundliche Einstellung gegenüber allen Lebewesen.“(Geshe Kelsang Gyatso: Das neue Meditationshandbuch, S.72, 2013)

Leider noch viel zu oft ist mein Alltag ganz anders als in der Meditation. An Tagen wo ich über Gleichmut meditiere und diesen in der Meditationspause betonen möchte, finde ich mich oft schon kurz nach der Meditation in Situationen wieder, wo ich alles andere als einen gleichmütigen Geist habe.

Das finde ich besonders deprimierend: Ich will Budhhist sein und habe edle Ziele. Aber in Wirklichkeit ist mein Geist unkontrolliert wie ein Tier.

Ursache ist, dass ich im Alltag vergesse, was ich mir in der Meditation vorgenommen hatte. Und genau dieses Vergessen ist die Baustelle, an der es erstmal zu Arbeiten gilt.

Das Wichtigste in der Meditationspause ist, sein Meditationsobjekt nicht zu vergessen. Vergessen ist der größte Feind in der Meditation aber auch der Meditationspause. Alle Übertretungen der moralischen Disziplin beginnen mit Vergessen. Vergessen ist das erste der „vier Tore der Übertretungen“.

knoten-im-taschentuch

In der Meditation ist es relativ einfach, sein Meditationsbjekt nicht zu vergessen. Zumindest die äusseren Ablenkungen sind da nicht sehr groß. Aber im Alltag sind besonders die äusseren Ablenkungen sehr stark und auch die schlechten Gewohnheiten im Geist, z.B. auf Probleme mit Wut zu reagieren.

Das ist leider so. Es ist wichtig, sich so anzunehmen, wie man ist. ABER Gewohnheiten lassen sich zum Glück ändern.

Gewohnheiten ändern – besonders die sehr ausgeprägten – ist sehr langwierig und man kann schnell die Motivation verlieren. (Auch so eine Gewohnheit…) Ein Grundsatz in der buddhistischen Gesiteschulung (Lojong) lautet darum nicht umsonst: „Gib jegliche Hoffnung auf Ergebnisse auf.“

Schlechte Gewohnheiten „bricht“ man zuerst in der Meditation. Dort macht man sich mit Tugend (also dem Gegenteil von dem, was schlechte Gewohnheiten sind…) vertraut. Zuerst künstlich und später wird die Tugend immer vertrauter – natürlicher. In der anschliessenden Meditationspause, versucht man nun mit allen Tricks, sich immer und immer wieder an das Objekt aus der Meditation zu erinnern. Dabei sind alle Mittel erlaubt.

Ich habe z.B. überall in der Wohnung irgendwelche Dinge, die mich an den Dhamra – das sind die Unterweisungen Buddhas – erinnern. Bilder, Bücher, Malas usw. Immer wenn ich die sehe, funktioniert das wie der berühmte Knoten im Taschentuch: Ich erinnere mich an mein Meditationsobjekt – oder wenigstens daran, dass ich Buddhist sein möchte. Aber auch ausserhalb der eigenen vier Wände kann man sich erinnern: Schreib Dir Deinen Entschluss auf die Hand, hab Deine Mala überall dabei, mach Dir ein Buddha-Bildchen als Desktophintergrund auf das Handy usw.

Mach Dir selber GEDANKEN… ;-)