Meditationspause

Das ich mein Blog Meditationspause genannt habe, hat mehrere Gründe. Das Wort „Meditationspause“ ist recht mehrdeutig. Man kann es auf verschiedene Arten interpretieren – nämlich als:

  1. Pause von Meditation
  2. Pause durch Meditation
  3. Zeit, in der man nicht meditiert

Alle diese Arten haben mit dem Alltag eines Buddhisten zu tun. „Gelebter Buddhismus“ fängt quasi mit der Meditationspause an! Ich versuch mal zu erklären, wie ich das meine:

 

Meditationspause: Pause von Meditation

Manche Menschen ziehen sich für längere Zeit zurück und konzentrieren sich voll auf Meditation – das nennt man ein Meditationsretreat. Das kann für einen Tag, ein Wochenende, eine ganze Woche oder noch viel länger sein. Wer schon mal so ein Meditationsretreat mitgemacht hat, weiß am Abend, was er getan hat. Man fühlt sich dann meist sehr erschöpft und braucht eine Erholungspause. Das erweckt den Eindruck, Meditation sei sehr anstrengend.

Ich glaube, wenn man sich am Abend nach einer langen Meditation kraftlos fühlt, ist das nur ein Zeichen, dass man noch nicht den richtigen „Dreh“ mit der Meditation raus hat. Denn „richtige“ Meditation macht unseren Geist ruhig und friedvoll – statt müde und erschöpft… Geistige und körperliche Erschöpfung nach einer Meditation gehören für uns Anfänger manchmal dazu, solange wir nicht mit der richtigen Meditationstechnik vertraut sind – Das ist der „Muskelkater der Meditation“. Wenn man jedoch nach einer Meditation mehr Energie hat als vorher, dann war die Meditation „richtig“. Alles andere ist aber dennoch nicht umsonst gewesen! Denn nur Übung bringt Meisterschaft!!

Btw: Das Beste nach einer anstrengenden Meditation ist: Ruhe, ein Spaziergang allein an der frischen Luft und zeitig ins Bett gehen.

 

Meditationspause: Pause durch Meditation

Wenn man seinem Alltag entfliehen will, braucht man eine Pause bzw. Urlaub. Normalerweise würde man dann seinen Urlaub eher in Mallorca am Swimmingpool planen. Wenn man aber seinen Urlaub mal zu hause oder in einem abgelegenen Retreat-Zentrum auf dem Meditationskissen verbringt. Ist das eine Art von Meditationspause.

Diese Art seinen Urlaub zu verbringen ist auf jeden Fall erholsamer als jeder Aufenthalt in einem Wellness-Hotel. Vielleicht ist es ja in so einem Wellness-Hotel während der Behandlungen ganz angenehm. Aber schon auf der Rückfahrt kann dieses gute Gefühl ganz verschwinden. Wer schon mal im Flugzeug ein paar Stunden neben einem schreienden Kind sitzen musste weiß, was ich meine. Da nützt dann die „Klangtherapie“, die man noch kurz vor Abfahrt bekommen hatte, nichts. Das gute Gefühl aus der Therapie lässt sich neben einem schreienden Quälgeist nicht aufrecht erhalten. Wenn man aber in einem spirituellen Urlaub gelernt hat, das Stress aus dem eigenen Geist entsteht und dass äußere Umstände – wie z.B. Lärm – nichts mit dem eigenen Unwohlsein zu tun haben, dann verliert ein schreiendes Kind seinen „Schrecken“ und man kann sich vielleicht sogar in Mitgefühl gegenüber dem Kind und deren Eltern schulen. Wer es nicht glaubt, soll es mal ausprobieren! ;-)

 

Meditationspause: Zeit, in der man nicht meditiert

Last not least – kann man Meditationspause als die Zeit verstehen, in der man nicht auf dem Meditationskissen sitzt. Und es ist die Zeit, in der man versucht, die Erkenntnisse oder Absichten, die man in der Meditation gewonnen hat, in seinen Alltag zu integrieren. Das ist die Bedeutung von Meditationspause, wie sie der Ehrwürdige Geshe Kelsang Gyatso in seinen Büchern erklärt.

In der Meditation kann man seinen Geist friedvoll werden lassen oder eine eine besonders tugendhafte Absicht entwickelt. Nach der Meditation wird der geistige Frieden oder die tugendhafte Absicht normalerweise sehr schnell vergehen. Wenn man aber die Meditationspause nutzt, um seinen geistigen Frieden aufrecht zu halten und seine tugendhaften Absichten umzusetzen, dann wird die Zeit der Meditationspause sehr kostbar und sinnvoll. Die Zeit nach der Meditation ist dann sogar genauso kostbar wie die Zeit in der Meditation.

Außerdem, ist die Zeit der Meditationspause normalerweise viel länger als die Zeit, die man mit Meditation verbringt. Wenn alles gut läuft, dann verbringe ich täglich ca. 2-3 Stunden auf dem Meditationskissen. Es bleiben also immer noch 21-22 Stunden, in denen ich entweder sinnlos meinen Verblendungen folgen kann und negatives Karma ansammeln, oder in denen ich mein Leben sinnvoll nutzen kann, in dem ich versuche, die guten Inspirationen aus der Meditation in meinen Alltag zu kultivieren. – Ich habe die Wahl :-)