Wie mir die Bahn eine Meditationspause verschaffte

Am Dienstag war ich tagsüber in Leipzig und wollte abends mit dem Zug zurück nach Berlin fahren. Ich war schon sehr zeitig am Bahnhof, weil ich mich dort zurückziehen wollte, um mich in aller Ruhe auf den Vortrag im Prenzlauer Berg vorzubereiten. Zu meiner Freude stand der Zug schon am Gleis. Der kommt mir ja wie gerufen, dachte ich mir. Da kann ich mich rein setzen und in ruhe Lesen.

Allein im ICE-Metropolitan

Kaum hatte ich es mir Wagen gemütlich gemacht, fuhr der Zug los. Halt Stopp, das kann doch nicht sein. Die Abfahrt ist erst in 50 Minuten!, schoss es mir durch den Kopf. Tja, aber der Zug war abgefahren. Mir fiel auf, dass ich ganz allein war kein Passagier weit und breit – sehr ungewöhnlich.

Die Situation löste sich dann sehr schnell auf, als doch noch jemand kam – die Schaffnerin. Sie sah mich mit ganz großen Augen an. „Was machen Sie denn hier? Der Zug ist doch gar nicht im Einsatz. Wir werden jetzt auf ein Abstellgleis gestellt und dann wird hier Sauber gemacht. Wir fahren erst in zwei Stunden zurück nach Berlin.“

Das war doch mal eine schöne Botschaft. So hatte einen ganzen Zug für mich allein, um darin zu studieren und zu meditieren. Ich habe diese unfreiwillige Auszeit sehr genossen und sinnvoll genutzt. :-)