Prüfungsstress – Arbeitsstress – Lebensstress?

Ihr solltet Leiden erkennen.
Ihr solltet Ursprünge aufgeben.
Ihr solltet Beendigung erlangen.
Ihr solltet den Pfad praktizieren.

(Buddha: Die Vier Edlen Wahrheiten)

Ich stecke gerade in einer „komplexen“ Lebenssituation in der für mich sehr viel Stress zusammenkommt. Und nun wurde auch noch bei uns im Lehrerausbildungsprogramm  – quasi als „Sahnehäubchen“ obendrauf – eine schriftliche Prüfung für den 20. Oktober angesetzt.

Wir schreiben die Prüfung über unserem letzten Unterrichtsblock zu Geshe-las Buch Freudvoller Weg des Glücks. Da sind viele Seiten Text zu studieren – zuzüglich der Zusammenfassung der Bedeutung des Textes, die auswendig zu lernen ist. Und außerdem muss man bis zur Prüfung alle Unterrichtseinheiten nachgeholt haben, an denen man gefehlt hat.

Ich war schon der Verzweiflung nah und hatte gedacht, dass schaffe ich nie. Aber ein unglücklicher Geist ist das schlimmste, was einem in so einer Situation passieren kann. Ich will aber einen freidvollen Geist bewahren und mich trotz der Arbeit wohl fühlen! Aber wie?

Für mich gibt es da nur eine Lösung: Buddhas Unterweisungen im Alltag benutzen!

Eigentlich sind die Vier Edlen Wahrheiten Unterweisungen, die Buddha gelehrt hat, um uns auf den Mittleren Pfad (=dem Pfad der individuellen Befreiung) zu Schulen. Diese Unterweisungen bewirken, dass man endgültig frei ist von allen Leiden. Was für die Schulung im Mittleren Pfad gut ist, taugt für mein „Prüfungsstress-Leiden“ allemal ;-)

Ihr solltet Leiden erkennen

Meine Ausgangslage ist also folgende:

  • 15 Tage Zeit für die Prüfungsvorbereitung
  • 42 Stunden gefehlten Unterricht nachholen
  • 12 Seiten Zusammenfassung der Bedeutung des Textes auswendig lernen
  • 172 Seiten Text studieren

Das ist ein ganz schöner Haufen Arbeit. Eigentlich viel zu viel für mich. Das ist mein wahres Leiden.

Aber Moment: Mein Leiden ist nicht der riesige Berg Arbeit, den es zu bewältigen gibt. Sondern mein Leiden ist mein unglücklicher Geist, mit dem ich auf diese viele Arbeit reagiere. DAS ist mein eigentliches Problem!

Ihr solltet Ursprünge aufgeben

Verblendungen sind die Ursprünge aller Leiden. Es ist ihre Funktion, den Geist unglücklich zu machen. Wenn ich also unter der Prüfung leide, dann nur deshalb, weil eine Verblendung dieses Problem verursacht.

In meinem Fall ist es eine starke Anhaftung, diese Prüfung gut zu bewältigen bzw. in der Prüfung nicht zu versagen. Wenn ich diese Anhaftung nicht hätte, wäre zwar die Arbeit nicht geringer, aber der Geist mit dem ich die Arbeit bewältige, wäre ein freudvoller. Und nur ein freudvoller Geist ist ein produktivier Geist!

(Btw: Warum heißt unser Studien-Buch eigentlich: Freudvoller Weg des Glücks? ;-))

Ihr solltet Beendigung erlangen

Buddha meinte damit die dauerhafte Beendigung von Leiden. Es wäre doch toll, wenn man nie wieder an Leistungsstress leiden würde und trotz aller Probleme und Schwierigkeiten im Job oder im Studium immer einen friedvollen und ausgeglichenen Geist bewahren könnte!

Ein Geist, der dauerhaft die Anhaftung an Erfolg, Bestätigung, Guten Ruf usw. aufgegeben hat, der wird niemals wieder Prüfungsstress erleiden müssen.

Ihr solltet den Pfad praktizieren

Den Pfad praktizieren bedeutet, den Geist zu verändern: weg von den Verblendungen, welche die Ursache für Leiden sind – hin zu den Tugenden, welche die Ursache für Glück sind.

Dafür hat Buddha drei Schulungen erklärt:

  1. Höhere Schulung in moralischer Disziplin (Aufgeben von unangemessenen Handlungen, Ausführen von tugendhaften Handlungen, korrekte Motivation)
  2. Höhere Schulung in Konzentration (Aufgeben von Ablenkung und Konzentration auf Tugend)
  3. Höhere Schulung in Weisheit (Leerheit realisierende Weisheit)

Das Höhere bezieht sich dabei auf eine bestimmte Motivation, mit der man diese Schulung absolviert: Entsagung. Entsagung ist der Wunsch, beständige Freiheit vom Leiden dieses und zukünftiger Leben zu haben.

Ich möchte Freiheit vom Prüfungsstress haben und habe mir darum folgenden „‚Schulungen“ festgelegt:

  1. Jeden Tag meinen täglichen Arbeitsplan pünktlich einhalten und mich von allen Ablenkungen fern halten.
  2. Während der Studiumszeit ziehe ich mich zurück. (Kein Telefon, kein Internet usw…)
  3. Vorbereitende Übungen (Reinigung, Darbringungen, Segnungen etc.) betonen.

Ich weiß nicht, ob ich damit die Prüfung erfolgreich bestehe. Aber ich weiß, dass ich mit auf diese Weise immer einen friedvollen Geist bewahren kann. Und das ist der Punkt, auf den es wirklich ankommt ;-)

Eine Antwort zu „Prüfungsstress – Arbeitsstress – Lebensstress?

  1. Ein erhellender Bericht – bei Prüfungen muss ich immer dran denken, dass das ganze Leben eine Art Prüfung ist. Auf die Einstellung kommt es an! Zu ernst darf man diese Prüfungen nicht nehmen, sondern mehr wie eine Herausforderung, als „Würze des Alltags“.
    Aber warum ich hier eigentlich schreibe… wie es es denn nun ausgegangen mit der Prüfung??

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