Winterretreat 2012: Lamrim – Die Stufen des Pfades zur Erleuchtung

Vom 2. – 9. Januar fand bei uns im Kadampa Meditationszentrum das jährliche Lamrim-Winterretreat statt. Es hatten sich fast 30 Menschen aus ganz Deutschland angemeldet. Zwei TeilnehmerInnen kamen aus Österreich und eine Frau ist sogar extra aus Serbien angereist. Was für eine Hingabe!

Ich hatte die große Ehre, das Retreat zu leiten. Es war für mich die intensivste Dharma-Zeit meines Lebens. :-)

Was ist ein Retreat?

In einem Retreat unterlässt man geschäftliche Tätigkeiten und unwesentliche Aktivitäten. Statt dessen konzentriert man sich auf eine bestimmte Meditationspraxis, um seinen Geist sehr intensiv mit tugendhaften Geistesarten vertraut zu machen.

Was ist Lamrim?

Lamrim ist eine besondere Meditationspraxis, in der man seinen Geist mit allen Stufen des Pfades zur Erleuchtung vertraut macht. Normalerweise haben wir einen gewöhnlichen Geist, der ständig – aufgrund seiner Selbstwertschätzung – Leiden erfährt und die Ursache für künftiges Leiden produziert. Dadurch sind wir in einem ewigen Leidenskreislauf – Samsara – gefangen. Nur erleuchtete Wesen haben einen Geist, der frei ist von Selbstwertschätzung und der in der Lage ist, andere endgültig von Leiden zu befreien. Aus diesem Grund ist es das sinnvollste, was man tun kann, wenn man sich darin schult, seinen gewöhnlichen selbstwertschätzenden Geist in einen erleuchteten Geist umzuwandeln. Egal auf welcher Stufe wir momentan stehen, wir alle haben das Potential, diesen Erleuchtungsgeist zu erlangen! Das ist unsere Buddha-Natur.

Der Retreat-Ablauf

Das Retreat begann am ersten Abend mit einem Einführungsvortrag. An den folgenden sieben Tagen haben wir täglich vier Meditationssitzungen mit jeweils 1,5 Stunden Dauer absolviert. Jede Sitzung begann mit den Befreienden Gebeten und einer einleitenden Atemmeditation. Im Anschluss gab es einen Vortrag zur Meditation. Darin wurde erklärt: 1) was der Zweck der jeweiligen Meditation ist, 2) welches Grundlagenwissen nötig ist und 3) wie man die Meditation ausführt. Anschließend haben wir vorbereitende Gebete rezitiert und dann für ca. 20 – 25 Minuten in Meditation geschult.

Ein Retreat ist eine sehr anstrengende Sache. Wer denkt, dass man da nur rumsitzt und nichts tut, der irrt gewaltig! Es ist – für uns Unerfahrene – anstrengender, als wenn man den ganzen Tag eine schwere körperliche Arbeit verrichtet.

Das Lamrim-Retreat haben wir anhand des Buches Moderner Buddhismus durchgeführt. Normalerweise ist Das Neue Meditationshandbuch die Grundlage für die Lamrim-Praxis in unserer Tradition. Ich werde in einem späteren Artikel ausführlicher darauf eingehen.